30. 04. 2010

ÖFFENTLICHE RÄUME, PRIVAT

Eine "Gesellschaft von Autoren" forderte Jochen Gerz jüngst im Rahmen seines Projekts 2-3 Straßen. Die Verantwortung und die Kreativität jeder und jedes Einzelnen für den städtischen und den gesellschaftlichen Raum, an die der bildende Künstler hier appelliert, lässt sich auch choreografisch formulieren und rückt den Blick, rückt den Körper an die Ränder des Mediatisierten, in die flirrenden Randzonen des leicht Argumentierbaren und wohl Bekannten.

Diese Forderung zielt vielmehr auf einen Blickwechsel, den Schritt zur Seite, auf kaum sichtbare Bewegungen, um wieder zu Aussagen zu gelangen. Diese Figur des Positionswechsels und die Fähigkeit des Choreografischen zum Ein- und Durchdringen von eigenen wie fremden Räumen greifen auch die künstlerischen Positionen im Mai und Juni am Tanzquartier Wien auf: als gerichtete Gesten
des Einschreibens, die zugleich der Zerstreuung des Chors verpflichtet sind, als Markierungen der Trias von Kunst, Publikum und Zivilgesellschaft. Sie machen sich die Performativität des Tanzes selbst zu eigen und beschreiben ein kritisches und subversives Spiel mit Kodierungen und Umkodierungen, mit Alltagsgegenständen, -routinen und -regeln, bewegen sich im Ungleichgewicht von sozialen und politischen Notwendigkeiten und Bedürfnissen, Strukturen von Organisation und Selbst-Organisation, Mechanismen des Ein- und Ausschlusses, individuellen und gemeinschaftlichen, freiwilligen und unfreiwilligen Absprachen, Instruktionen und Manipulationen.

Choreografie meint dabei nicht eine Praxis, der es um das Fixieren von Bewegung oder die Konstruktion von zu imitierenden Formen und Rahmungen geht. Vielmehr rücken in Veränderung begriffene Zuordnungen, ein Neu- und Umorientieren, temporäre Gemeinschaften und Rollenwechsel in das Bewusstsein von den Räumen, die wir physisch wie gedanklich betreten: Was macht einen Ort privat, familiär oder öffentlich? Wer definiert ihn, und wie können wir ihn verändern?

Die Körper im urbanen Raum sprechen nicht einfach von und über das Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft, sondern sind Akteure derselben – Agenten einer Kartografie, die sich für neue Lesarten des Gewohnten interessiert und das räumliche Erinnern und Vergessen, das Verdrängen und Besetzen als Bestandteile und vor allem Möglichkeit des Eingriffs und der Veränderung in der Konstruktion und Rezeption eigener realer wie fiktiver Räume öffnet.

(Autorin: Sandra Noeth/Leitung Dramaturgie TQW; Text abgedruckt in TQW Programmheft Mai/Juni 2010)

ARCHIV:

Touché: An den Grenzen des Berührens / TQW Programmheft April 10
Stopp im Möglichkeitsraum / TQW Programmheft März 10
Wo ist wir / TQW Programmheft Jan./Feb. 10
Die Haut der Bewegung / TQW Programmheft Dez. 09
Körper in Abstand und Ansteckung / TQW Programmheft Nov. 09
Spuren-Lesen / TQW Programmheft Sept./Okt. 09

15. 04. 2010

 

TANZQUARTIER WIEN: INTERNATIONALE NETZWERK-ARBEIT IN EUROPA
 
Tanzquartier Wien ist Gründungsmitglied des ersten European Dancehouse Network (EDN) und ist Partner in MODUL-DANCE, einem EU geförderten Projekt von 22 Tanzhäusern und Medienpartnern in Europa.
 

+++
 
EUROPEAN DANCEHOUSE NETWORK (EDN)

 

EDN wurde 2009 in Barcelona mit der Mission gegründet, die professionelle Entwicklung zeitgenössischer TänzerInnen und ChoreografInnen europaweit institutionell zu unterstützen sowie Tanz als Kunstform zu stärken und zu promoten.
Walter Heun, Intendant des Tanzquartier Wien, ist im Board von EDN vertreten. Die Präsidentschaft nimmt derzeit Bertram Müller, Direktor des Tanzhaus NRW in Düsseldorf, wahr.
Mitglieder von EDN kommen aus Paris, Stockholm, Oslo, Genf, London, Barcelona, Kopenhagen, Athen, Faro, Hellerau/Dresden, Lyon, Tilburg, Düsseldorf, Wien, Dublin und Nefkosia.  
 
Weiterführende Informationen bald unter www.ednetwork.eu 
 
 
+++
 
MODUL-DANCE ist ein Projekt von 18 Europäischen Tanzhäusern und 4 assoziierten Medien-Partnern.
 
modul-dance ist ein Projekt von 18 Europäischen Tanzhäusern mit dem Ziel, europaweit möglichst optimale Produktionsbedingungen für KünstlerInnen, TänzerInnen und ChoreografInnen herzustellen, ihnen Mobilität zu ermöglichen sowie die Verbreitung ihrer Werke zu fördern. Das Tanzquartier Wien hat auf inhaltlicher und organisatorischer Ebene maßgeblich zur Entstehung dieses Projektes sowie bei der Zusammenstellung des Partnerkonsortiums beigetragen. Die Europäische Union fördert dieses Projekt mit rund 2 Mio. Euro. 

 
Das Projekt modul-dance wurde unter Federführung von Mercat de les Flors Barcelona gemeinsam mit den führenden Tanzhäusern Europas, wie u. a The Place London, CND Paris, Tanzhaus NRW Düsseldorf, Dansens Hus Stockholm und DeVIR / CAPa Faro entwickelt. Durch die strukturelle Zusammenarbeit entsteht damit erstmals ein Cluster an verbesserten Produktionsbedingungen für Künstlerinnen und Choreografinnen.
modul-dance hat es sich als Ziel gesetzt, die vorhandenen institutionellen Strukturen zu bündeln und diese für ausgewählte KünstlerInnen zu nutzen. Dies geschieht einerseits durch das Bereitstellen von strukturellen Modulen während der kreativen Arbeitsprozesse von der Produktion bis zur Präsentation – in Form von Residencies, Monitoring oder Research, Produktions- und Präsentationsangeboten; andererseits indem durch die aktive Zusammenarbeit der Tanzhäuser Austausch und Verbreitung der künstlerischen Arbeiten erleichtert werden.
 
Die Arbeitsbedingungen der KünstlerInnen, eine europaweite Verbreitung ihrer Werke und die Erweiterung von Arbeitsräumen und -möglichkeiten stehen bei diesem Projekt im Zentrum des Interesses. Neben den Leistungen der Tanzhäuser begleiten internationale Experten die Entwicklung der KünstlerInnen und schaffen gemeinsam mit ihnen Inhalte, multidisziplinäre Formate und mediale Austausch- und Verbreitungskonzepte. Im Rahmen von modul-dance werden ebenfalls Konferenzen, Festivals, Diskussionsforen und Förderschienen für junge KünstlerInnen angeboten.
 
Mit insgesamt 22 Partnern sind an diesem Projekt so viele Institutionen (aus 15 Ländern) beteiligt, wie an keinem von der Europäischen Union geförderten Kultur-Projekt bisher. Das Projekt wird in der Laufzeit 1. Juni 2010 bis 31. Dezember 2014 wird mit einem Gesamtvolumen von 4,345 Mio. Euro (davon 49% von der EU) finanziert.
 
Insgesamt werden durch dieses Projekt mindestens 40 ChoreografInnen gefördert, ungefähr 500 beteiligte KünstlerInnen in den internationalen Austausch und Präsentation eingebunden und mindestens 400 Präsentationen ihrer Arbeiten europaweit gezeigt werden. Für modul-dance ist es ein großes Anliegen, die trans-institutionelle und grenzüberschreitende Arbeit der beteiligten Tanzhäuser für die Zukunft zu sichern, indem eine kontinuierliche Zusammenarbeit von Kreativen und Promotoren geschaffen wird, die sich verstärkt auch der Publikumsentwicklung annehmen werden.
 
Die Beurteilung des Projekts durch die EU Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur fiel ausnehmend positiv aus.
 

 

Europaweites Netzwerk

 

Neben dem Tanzquartier Wien sind Tanzhäuser und Institutionen aus Barcelona (Spanien), Paris, Toulouse, Lyon (Frankreich), Faro/Loulé (Portugal), Düsseldorf und Dresden (Deutschland), Tilburg (Niederlande), Poznan (Polen), Stockholm (Schweden), Maribor und Ljubljana (Slowenien), London (GB), Dublin (Ireland), Kopenhagen (Dänemark), Athen (Griechenland) und Nicosia (Zypern) involviert.

Insgesamt sind 18 Tanzhäuser und mit 4 assoziierten Partnern zusätzlich auch Medieninstitutionen aktiv involviert.
 
18 Mitglieder
Art StationsFoundation / Polen
Centre de Développement Chorégraphique (CDC) Toulouse / Frankreich
Centre National de la danse (CDN) Paris / Frankreich
Dance House Dance-Gate Cyprus / Zypern
DanceIreland / Irland
Dansescenen Copenhagen / Dänemark
Dansens Hus Stockholm / Schweden
DeVIR / CAPa / Portugal
Duncan Dance Research Center / Griechenland
Kino Siska / Slowenien
Maison de la Danse Lyon / Frankreich
Mercat de les Flors / Spanien, Katalonien (Project Leader)
Plesna Izba Maribor / Slowenien
Station Zuid / Holland
Tanzhaus NRW / Deutschland
Tanzquartier Wien / Österreich
The Place / Großbritannien
Zentrum der Künste Hellerau / Deutschland
 
4 assoziierte Mitglieder
adc Genève / Schweiz
Digitalent / Spanien, Katalonien
IMZ Vienna / Österreich
Woking Dance Festival / Großbritannien
 
 
Fakten:
Projektlaufzeit: 1. Juni 2010 – 31. Dezember 2014
Gesamtvolumen: 4,345 Mio. Euro (davon 49% finanziert von der EU)
18 Partnerorganisationen aus Barcelona (Spanien), Paris, Toulouse, Lyon (Frankreich), Faro/Loulé (Portugal), Düsseldorf und Dresden (Deutschland), Tilburg (Niederlande), Poznan (Polen), Stockholm (Schweden), Maribor und Ljubljana (Slowenien), London (GB); Dublin (Ireland), Kopenhagen (Dänemark), Wien (Österreich), Athen (Griechenland), Nicosia (Zypern).
4 assoziierte Partner: u.a. IMZ Wien

 

 

KONTAKT und weiterführende Informationen
/ Tanzquartier Wien, 1070 Wien, Museumsplatz 1
 
Ulrike Kuner / Leitung Künstlerisches Betriebsbüro & modul-dance Project Adviser
T: +43-1-581 35 91-25, F: +43-1-581 35 91-12, mobil +43 664 81 40 432
E: ukuner [at] tqw [dot] at, www.tqw.at