Theorie & Medienzentrum

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Die Metaphern des Tanzes

Eine Vortragsreihe über gebrochene Worte und Herzen und Beine
 

Ausschnitt aus dem Vortrag Bewegung im Überschwang von Bernhard Waldenfels (18. Dez. 2009 TQW / Studios)

Wofür steht – buchstäblich und übertragen – der
zeitgenössische Tanz, indem er stets zwischen Stillstand und Fall erzittert und uns den Fallen des Denkens aussetzt? Indem er und seine performative Ästhetik in Vexierbildern changieren? Wie übersetzen heute andere Disziplinen wie Theater- und Medienwissenschaft oder Philosophie den Tanz – im Kontext eines Denkens des Choreographischen? Wenn Tanz seit der Antike bis zur Moderne, bis Nietzsche, Artaud, Mallarmé, Valéry und dann über Derrida, Nancy, Agamben, Badiou und darüber hinaus als Metapher des Denkens figuriert, wie markieren seine Denkfiguren die zeitgenössische Tanz- und Performancepraxis als eine kritische und begehrende, als Haltung und Zurückhaltung zwischen Polis und Eros? Eine, die kaum noch Beine, aber immer noch Herzen und Worte bricht?

Der Bereich Theorie des Tanzquartier Wien steht in dieser Saison im Zeichen der Metaphern des Tanzes – und metaphorisiert er oder wird er metaphorisiert? –, um sie in einer neuen Vortragsreihe zu befragen und zu hinterfragen. Ist die Metapher wörtlich eine Übertragung, wie viel Wörtlichkeit verträgt der Tanz, um erst recht als Übertragung zu funktionieren? Wie buchstabiert er seine Metaphern in der zeitgenössischen Performancepraxis, indem er immer neu eine unentscheidbare Gespanntheit zwischen Eigentlichem und Uneigentlichem markiert, zwischen Konkretem und Abstraktem, zwischen Hin- und Abwendung, Be- und Entschleunigung, An- und Abwesenheit, Ort und Raum, Ordnung und Chaos, Regel und Bruch, Handeln und Nicht-Handeln, Schritt und Nicht-, Schreiben und Entschreiben, Leichtigkeit und Gewicht, Spur und Verschwinden, Rastern und Resten, gemeinsam und allein, zu viel und zu wenig, Präzision und Unschärfe, Vor- und Vergehen, Wiederholung und Widersetzung, Verrückung und Verschiebung, Re- und Desartikulation, Vermögen und Scheitern, Separation und Berührung, Schwindel und Schwindeln, Kreis und Krise und Kritik, Lust und List und Verlust, Motion und Emotion und Movens, Kontrolle und Risiko und Kontingenz, Sprung und Sprung und Riss? Als könnte der zeitgenössische Tanz – augenblicklich – für etwas stehen, ohne zugleich ins Nächste zu stürzen…

nächster Vortrag von Laurent Chétouane (F/D): Nicht alles zu uns heranholen  Fr 26. März 18.30 h TQW / Studios (Eintritt frei)