Antwort auf den offenen Brief zum TQW Profitraining

Bettina Kogler
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© Paul Bauer
Bettina Kogler

Reaktion von Bettina Kogler (Künstlerische Leitung TQW) auf den offenen Brief der Wiener Perspektive Training und Education Group und der Initiative Tanz und Bewegungskunst Österreich vom 15. Februar 2021

Liebe Wiener Perspektive Training & Education Group,
liebe Initiative Tanz und Bewegungskunst Österreich,
liebe Veronica Kaup-Hasler,

eingangs möchte ich unsere Dialogbereitschaft und unser Interesse an neuen Ansätzen bzw. Reflexionen hinsichtlich der Trainings-, Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten der Tanzszene in Wien sowie an der Rolle und Einbettung des Tanzquartier Wien in diesem Kontext betonen.

In meinem letzten Gespräch mit der Wiener Perspektive Training & Education Group und der Initiative Tanz und Bewegungskunst Österreich am 10. Dezember 2020 habe ich festgehalten, dass die Bedürfnisse und Wünsche der Trainingscommunity so vielfältig und breit sind, dass das TQW mit seinen beschränkten Ressourcen diese nie vollständig abdecken kann. Abgesehen davon sind meines Erachtens Monopolstellungen grundsätzlich „ungesund“.

Daher unterstütze ich voll und ganz den Wunsch nach einem weiteren Ort für professionelles zeitgenössisches Training im Bereich Tanz und Choreografie in Wien.

Betreffend der im offenen Brief genannten Details möchte ich jedoch Folgendes festhalten:

  • In der Zeit des Umbaus im Jahr 2017 war die Position der Künstlerischen Intendanz des TQW nicht besetzt. Mein Vertrag startete im Jänner 2018. Mit dem Training wurde dann auch umgehend im Februar 2018 begonnen.
  • Das TQW hat im Zeitraum des ersten Lockdowns aufgrund der Covid-19-Pandemie den damit verbundenen schrittweisen und kurzfristigen Informationen und Verordnungen der Bundesregierung von Mitte März bis Ende Juni kein Training angeboten (und nicht wie genannt von März bis August 2020. In den Monaten Juli und August bietet das TQW seit seiner Gründung 2001 kein Training.)
    Wie die meisten europäischen Tanzhäuser (Centre National de la Danse (Paris), K3 Kampnagel (Hamburg), Tanzhaus NRW oder Tanzhaus Zürich) haben wir uns gegen sich laufend ändernde „Schnellschüsse“ entschieden. Auch aus der Hoffnung heraus, bald wieder öffnen zu können. Darüber hinaus erhielten wir zu dieser Zeit von Seiten der Künstler*innen durchaus skeptische bis ablehnende Einschätzungen zum Thema Online-Training. Und selbstverständlich war und ist für uns die Gesundheit der Künstler*innen und Mitarbeiter*innen vorrangig.
  • Seit seiner Gründung im Jahr 2001 hat das TQW lediglich eine in Relation kleine und einmalige Subventionserhöhung von € 50.000 bekommen, die erhöhte Mietkosten (Halle G) abdeckt hat.
  • Mit Beginn meiner Intendanz habe ich trotzdem das Gehalt der Leitung des Bereichs Training und Workshop erhöht. Der gegenwärtige Betrag ist im oberen Segment der TQW Gehaltsstruktur angesiedelt. Wenn es hier zu einer Erhöhung kommen soll, hat das Konsequenzen für die gesamte Gehaltsstruktur und damit für den Gesamtbudgetbedarf des TQW.
  • Nichtsdestotrotz wurde in der Zeit meiner Intendanz die Anzahl der Unterrichtenden im Trainings- und Workshopbereich im Vergleich zu den Jahren davor verdoppelt, um den vielfältigen Bedürfnissen der Community nachzukommen.
  • Regelmäßige Feedbackgespräche der Trainings- und Workshopleitung mit der betreffenden Community gehören zum Alltag.

Abschließend möchte ich festhalten, dass wir mit den gegebenen Ressourcen – wir verfügen nur über einen Raum, den wir für Training und Workshops nutzen können – immer wieder an die Grenzen des Möglichen geraten. Neben dem Bedürfnis nach intensiven Trainingsmöglichkeiten steht das Tanzquartier Wien auch für intensive Probentätigkeiten (für Koproduktionen und darüber hinaus) zur Verfügung und bietet im Rahmen von Kooperationen etwa eben z. B. der Wiener Perspektive Training & Education Group oder auch der Universität Wien Raum für gemeinsame Projekte. Das für Juli und August 2020 ins Leben gerufene Residency-Programm wurde extrem positiv von den Künstler*innen aufgenommen, die Response war enorm, es scheint ein großes Bedürfnis der Szene damit abgedeckt worden zu sein.

Die Wünsche nach „Mehr“ sind nachvollziehbar, aber unter den gegebenen Umständen vom und im TQW leider nicht erfüllbar.

Mit herzlichen Grüßen
Bettina Kogler

16. Februar 2021

 
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