Editorial Oktober / November 2020

 

Liebes Publikum, liebe Künstler*innen,

das TQW-Team ist dieser Tage damit beschäftigt, ein Sicherheitskonzept für die Durchführung von Veranstaltungen zu entwickeln. Trotz aller Reglementierungen soll sich das Publikum bei uns wohlfühlen. Denn wir vermissen Sie! Das Neudurchdenken des Veranstaltungsbetriebs lässt das Gefühl aufkommen, dass Kunst gerade auf ihren Kern reduziert wird. Die Begegnungen an der Bar, die angeregten Diskussionen nach den Vorstellungen, das ist alles nicht mehr selbstverständlich oder nur noch unter bestimmten Auflagen möglich. Das Veranstalten in Zeiten einer Pandemie ist ein riskantes Unterfangen, mit dem Festivals und Theaterbetriebe gerade allerorts konfrontiert sind. Aber vielleicht auch eine Chance, einmal auf das Wesentliche zu fokussieren und ins Zentrum zu rücken, dass Kunst nicht nur Event ist.

Schon der erste geplante Programmpunkt hat uns vor Herausforderungen gestellt. Eigentlich wollten wir die Saison in der Halle E mit einem großen internationalen Stück eröffnen, doch das Ballettensemble durfte nicht reisen. Umso notwendiger schien es uns, die Chance, die große Halle zu bespielen, zu nutzen. Auch wegen der starken Nachfrage haben wir Doris Uhlichs Habitat / Halle E nochmals eingeladen, um gemeinsam einen utopischen Raum – dieses Mal allerdings in einer „pandemic version“ – zu zelebrieren. Gleich danach widmet sich Claudia Bosse dem menschlichen Körper, genauer gesagt den Organen und ihrer Rolle bei Opferungen und Ritualen. Mitte Oktober folgt ein Künstler*innengespann der Superlative. La Ribot, Mathilde Monnier und Tiago Rodrigues beschäftigen sich in mitunter apokalyptischen Bildern mit der menschlichen Selbstauslöschung und möglichen Auswegen aus der allgegenwärtigen Katastrophe. Im Oktober wird auch endlich die von Christoph Meier gestaltete und von Andrea Maurer kuratierte Performance Passage im MQ eröffnet. Ende Oktober schickt Miet Warlop das Publikum auf eine Art Sufi-Trip, der es wert ist, sich in die geregelte Menschenmenge zu stürzen.

Anfang November beginnt unser Schwerpunkt Imagining otherwise – How do we move from here? Zu sehen sind performative Formate, die unterschiedliche aktuelle Diskurse wie Black Studies (Joana Tischkau und Cherish Menzo), Postkolonialismus (Jaha Koo) oder körperliches Verlernen (Katerina Andreou) reflektieren. Danach folgt die lang ersehnte Wiederaufnahme von Florentina Holzingers TANZ, das man inzwischen getrost als Kultstück bezeichnen kann. Ebenso legendär ist das neu aufgelegte, 1978 erschienene Buch Männerphantasien von Klaus Theweleit. Auf den Vortrag des Kulturtheoretikers freuen wir uns besonders! Ende November entwirft Linda Samaraweerová gemeinsam mit dem Komponisten Robert Jíša eine affektgeladene performative Oper. Danach zeigen Krõõt Juurak & Alex Bailey, was es gesellschaftlich und geschlechterpolitisch bedeutet, mit einem Kleinkind zusammenzuleben. Eine aktuell für viele Eltern brennende Frage.

Es kann leider vorkommen, dass die eine oder andere Veranstaltung nicht stattfinden kann. Wir suchen aber immer nach flexiblen Lösungen und hoffen, dass wir bis in den tiefsten Wiener Winter spielen können! Und wir freuen uns unter allen Umständen auf ihren Besuch!

Bettina Kogler (Künstlerische Leitung & Programm) & Christa Spatt (Programm)

 
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