Frauen*Kunst im Scheinwerferlicht

Petra Unger über Private view von Dorothea Zeyringer mit Emilia Lichtenwagner & Nora Jacobs
 
© Franzi Kreis
Petra Unger über Private view von Dorothea Zeyringer mit Emilia Lichtenwagner & Nora Jacobs

Wie kann der Ausschluss von Frauen aus Kunst und Kunstgeschichte dargestellt werden, ohne in ein Lamento zu verfallen, sondern dazu zu ermutigen, sich selbst in die Kunstgeschichte einzuschreiben?

Dorothea Zeyringer zeigt, wie es geht.

Mit ihrer ersten größeren eigenständigen Performance Private View in Zusammenarbeit mit Nora Jacobs und Emilia Lichtenwagner findet die Künstlerin einen Weg, das Feld auszuleuchten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein sonnengelbes T-Shirt, auf einen runden Holzrahmen gespannt, steht symbolisch für das Scheinwerferlicht, in das alle drängen und in das die Werke von Künstlerinnen schon längst gehören.

Wie kommt frau nun in die Nähe des begehrten Lichts?

Am Anfang stehen der Traum, etwas Besonderes zu sein, etwas Außergewöhnliches tun zu wollen, und der Wunsch, gesehen zu werden. Aber schon mit dem Satz „How can you become someone you cannot imagine?“ wird deutlich, dass Frauen die Vorbilder fehlen. Diese nicht bekannten (Vor-)Bilder holen die Künstlerinnen nach und nach auf die Bühne – mit auf T-Shirts gedruckten Namen von Künstlerinnen und ironisch-witzigen Kommentaren: „If all the gossip would be acknowledged, we would be quite famous“ (zu Camille Claudel). Oder zu Judy Chicagos und Miriam Schapiros „Womanhouse“, das, mit den Worten „A kind of feminist boot camp“ kommentiert, das Lachen des Publikums auf seiner Seite hat.

Die Performerinnen schlüpfen in Rollen der Künstlerinnen, die sie nach persönlichem Interesse und individueller Begeisterung auswählen. Sie kommentieren, inszenieren, zeigen und lassen hören: Ausschlussmechanismen, persönliche Erfahrungen von Künstlerinnen, ihre eigenen Wünsche, Träume und Gedanken. Mit wenigen ausgesuchten Requisiten und vor allem mit präzise ausgewählten Zitaten wird deutlich: Der Kunstbetrieb schließt aus, will nur Superlative und Gewinner (keine oder kaum Gewinnerinnen), funktioniert nur auf dem Rücken unzähliger ungesehener Kunstschaffender und entscheidet autoritär, wer dazugehört und wer nicht.

Die Künstlerinnen belassen es jedoch nicht bei der Bestandsaufnahme. Sie suchen und finden Strategien: eigene Räume beanspruchen oder auf eigene Faust auf die Suche, in die Archive gehen. „If you want to find black artists, look in the archives“, so lautet eine der Empfehlungen. Dort können Vorbilder, Kunstwerke und künstlerische Frauenbiografien entdeckt werden, wenngleich manchmal erst nach mühevoller Recherche und nur mit detektivisch-archäologischem Blick unter die Oberflächen.

Spuren selbst produzieren, eine eigene Form der Dokumentation schaffen und sich selbst Role-Model sein ist eine weitere in Szene gesetzte Strategie. Nachdem auch das mühsam und vielleicht doch nicht erfolgversprechend scheint, wird die „revolution of lazy women“ zur Zukunftsvision.

Wie vergänglich Erfolg und hinterlassene Spuren am Ende sind, steht am philosophischen Schluss des schwungvollen „Lehrstücks“, das die eingesetzte Didaktik mit feinem Humor und der ironisch-scharfen Klinge der Kritik am Kunstbetrieb ausgleicht und immer wieder mit Verweisen und Andeutungen spielt.

Es ist die selbstbewusste, humorvoll-ernste Präsenz der Performerinnen in dieser gelungenen Collage mit poetischer Note, die diese Kombination aus Bild, Text und Performance absolut sehenswert macht.

Lights on Private View!

 

 

Petra Unger ist Begründerin der Wiener Frauen*Spaziergänge, arbeitet als Kulturvermittlerin, Akademische Referentin für feministische Bildung und Politik sowie als Expertin für Gender Studies und Feministische Forschung.  petra-unger.at

 

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