From a Distance

© Elodie Grethen 

„I am working on becoming a human being as opposed to a ‚human doing‘.“ — Hélène Grimaud, Pianistin

„Just as the virus mutates, if we want to resist submission, we must also mutate.“ — Paul B. Preciado

Seit mehr als sieben Wochen ist das Tanzquartier Wien aufgrund der Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen, und inzwischen ist es auch offiziell, dass bis zum Ende der Saison 2019/2020 keine Veranstaltungen stattfinden können. Bereits seit März waren (und sind) wir damit beschäftigt, die Auswirkungen dieser Situation für die Künstler*innen, die Trainingsteilnehmer*innen und die Dozent*innen, die Zuschauer*innen und die Mitarbeiter*innen des TQW zu verstehen, zu verarbeiten und in konstruktive Bahnen zu lenken. Es ist ein komplexer Prozess, in dem wir mit sich ständig ändernden Bedingungen und unvorhersehbaren Faktoren konfrontiert sind. Und in dem wir der Tatsache, dass freischaffende Künstler*innen von den Schließungen aller Kultureinrichtungen überdurchschnittlich betroffen und existenziell bedroht sind, Rechnung tragen.

Der Theater- und Trainingsbetrieb muss bis auf Weiteres noch geschlossen bleiben, dennoch tut sich so einiges. Ab Mitte Mai wird in den TQW Studios wieder geprobt – unsere Koproduktionen sind nur verschoben und nicht abgesagt! Unsere Techniker*innen betreuen die Proben unter Einhaltung des notwendigen Abstands und sind mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet. Das Come-together von Dissertant*innen an der Schnittstelle von Tanz/Performance/Choreografie – das TQW DOC – findet nicht in unserer Bibliothek, sondern im virtuellen Raum statt. Jennifer Lacey feilt mit ihrem Team an einer Reformulierung ihres Improvisationslabors, das nun auch live stattfinden wird – allerdings nicht wie geplant in unseren Studios, sondern in den Wohnzimmern der Labor-Teilnehmenden. Das Thema Distanz ist für Jennifer Lacey ins Zentrum der Recherche gerückt. Davon wird es auf unserer Website Zeugnisse geben.

Auch im Trainingsbereich werden gerade Erfahrungen ausgetauscht, und es wird gemeinsam reflektiert, wie sich Training und Weiterbildung für professionelle Tanz- und Performanceschaffende im virtuellen Raum entwickelt. Des Weiteren haben wir eine Reflexion über die gegenwärtige Situation in Form einer von unserem Theorie-Team kuratierten bzw. verfassten Essayreihe im Newsblog unserer Website initiiert.

Ein sorgsamer Umgang mit allen Menschen, die unsere Institution ausmachen – die Künstler*innen, die Mitarbeiter*innen, die Trainierenden, die Zuschauer*innen und die Besucher*innen aller Art, die Kooperationspartner*innen –, ist für uns zentral. Als Institution stehen wir in intensivem Austausch mit den Kolleg*innen von PAKT, dem Zusammenschluss der Häuser darstellender Künste in Wien.

Das gemeinschaftliche Erleben einer Performance kann nicht ersetzt werden. Auch wenn es sich vielleicht verändert, verschwinden wird es nicht. Und wir sind uns sicher, dass wir bald wieder zusammen sein können! Künstler*innen, Zuschauer*innen und das Team das Tanzquartier Wien. Wir freuen uns darauf, arbeiten mit ganzer Kraft daran und werden euch auf dem Laufenden halten.

Keep dancing on your own. We’ll be back soon.

Bettina Kogler (Künstlerische Leitung & Programm)
Ulrike Heider-Lintschinger (Geschäftsführung)
Christa Spatt
(Programm)
Liv Schellander
(Training & Workshops)

 

 
Loading