Kooperation mit dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Sara Rußold über La Caresse du Coma - Ange 92Kcal von Anne Lise Le Gac
 
© Olivier Sarrazin
Sara Rußold über La Caresse du Coma - Ange 92Kcal von Anne Lise Le Gac

 

Auf der Suche nach dem Glück

Eine Mischung verschiedenster Elemente ist Anne Lise Le Gacs La Caresse du Coma ft. ANGE 92 Kcal, einer von bislang drei Teilen dieser Reihe. Von der Stimme aus dem Off, über Dialoge, die stark an Chatverläufe erinnern und an die Wand hinter der Performerin geworfen werden, bis zu einzelnen Folien, lustigen Hundevideos („Dogs“ spielen generell eine größere Rolle in dieser Performance) und natürlich Tanz, ist alles dabei. Aber nicht nur visuelle Medien, sondern auch die Sprachen der Performance wechseln immer wieder. Die Französin wechselt mühelos vom Englischen ins Französische und wieder zurück. Dass es das erste Mal ist, dass sie dieses Stück auf Englisch aufführt fällt überhaupt nicht auf. Was auffällt, zumindest mir als bis dahin Fremde des zeitgenössischen Tanzes, ist, wie klein der Raum ist in dem Anne Lise Le Gac performt. Hier wird nichts versteckt. Alles steht bereit und muss nur noch von der Performerin in den Fokus gerückt werden. In zwei kurzen Reihen sitzen die Zuseher an der Längsseite des Raumes. Auf manchen der Plätze liegen Packungen verschiedenster Knabbereien, die sich die Zuseher teilen sollen, was sie im Laufe der 50-minütigen Vorstellung auch tun.

Alle drei Teile der „La Caresse du Coma“-Reihe beginnen mit demselben Intro, in dem sich „Dog 23“, zusammen mit anderen „Dogs“, die alle auf der Suche nach dem Glück sind, in einem Spa in Kroatien einfindet. In jedem Teil werden dann andere Charaktere vorgestellt. ANGE 92Kcal ist die Dritte, nach COACH und PIRAT. Ob es noch weitere Teile geben wird ist noch offen, doch Anne Lise Le Gac sagt selbst, dass es hier keine Grenzen gibt und die Möglichkeit weiterer Episoden auf jeden Fall besteht. In ANGE 92Kcal also schlüpft die Performerin in unterschiedliche Rollen. ANGE 92Kcal und auch Dog 23 sprechen meist Englisch, andere Charaktere meist Französisch. Sicher ist hier jedoch nichts, denn auch Dog 23 singt später auf Französisch. Anne Lise Le Gacs Charaktere sprechen nicht nur miteinander, sie adressieren auch die anderen Dogs, die, wie es scheint, oft auch durch das Publikum verkörpert werden. Durch ein „Selfie“, ein Gesicht geformt aus weichem Ton, versucht ANGE 92Kcal den „Dogs“ zu erklären, dass nur Veränderung Leben bedeuten kann. Weiters werden die „Dogs“ (und auch das Publikum) angestoßen, darüber nachzudenken ob es nicht vielleicht besser wäre nicht nur das Ziel vor Augen zu haben, sondern auch den Weg dorthin zu genießen. So wie es die Hunde tun, die sich in den gezeigten Videos austoben und das Publikum zum Lachen bringen. Darauf folgt der zuvor erwähnte Song von Dog 23. Auch wenn man den Text, der wie Anne Lise Le Gac bei einem Gespräch nach der Vorstellung erklärt, voller Anspielungen auf hauptsächlich französische Künstler oder auch französische Werbung ist, nicht versteht, so ist das Lied trotzdem sehr melodisch und angenehm zu hören.

Später arbeitet Anne Lise Le Gac auch mit Rauch, tanzt durch diesen und baut schließlich einen Turm aus Betongefäßen, die sie dann mit dem Rauch füllt, wahrscheinlich eine Parallele zum zuvor schon besprochenen Formen von Stoffen durch die Gefäße, in denen sie sich befinden. In vollkommener Stille und während sich die Lichter langsam verdunkeln, legt Anne Lise Le Gac eine Linie auf dem Boden. An der Leinwand läuft ein letztes Mal ein verschriftlichter Dialog: Für die „Dogs“ ist es Zeit zu meditieren.

Für „Einsteiger*innen“ ist diese Performance sicherlich ein guter Anfang, da sie erzählerische Elemente beinhaltet und sich ein roter Faden durchzieht, dem man relativ leicht folgen kann.

 

Dieser Text entstand im Rahmen einer Kooperation mit dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien (Dr. Olga Kolokytha).

 

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