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Schwerpunkt
Andrea Maurer: Unspelling © Andrea Maurer 
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„Film can never do that“, sagt der belgische Tanzkritiker Pieter T’Jonck über Hannah De Meyers Stück new skin (im Tanzquartier Wien letzten Mai beim Nachwuchsfestival Rakete mit Jubel aufgenommen). Präzise und nuanciert verschränkt die Künstlerin darin Text und performative Gesten und Bewegungen. Was ist es, das so viele Choreograf*innen und Performanceschaffende dazu motiviert, vermehrt zu Text und Sprache zu greifen, Performanceessays zu entwickeln oder Poesie als Choreografie (und vice versa) neu zu denken?

Im November bietet das Tanzquartier mit word einen Schwerpunkt mit Künstler*innen, die in unterschiedlicher Weise etwas zu SAGEN haben. Hannah De Meyer tut dies als Erste mit einer Preview ihres neuen Solos hi baubo. Darauf folgt die Erstaufführung von Christine Gaiggs neuem Performanceessay Affair – einem Format, das die Choreografin entwickelte, um eine politisch-künstlerische Auseinandersetzung mit sowohl sinnlichen als auch intellektuellen Mitteln zu betreiben und formal und inhaltlich Grenzen auszuhebeln. In I’m Gonna Need Another One lockt die New Yorkerin Jen Rosenblit (gemeinsam mit Gérald Kurdian) die Zuschauer*innen in komplexe Gefilde. In einem fein gesponnenen Monolog tauchen verschiedene Figuren ohne stabile Identitäten auf – eine raffinierte Narration, die Möglichkeiten des Zusammenseins und des Beheimatetseins thematisiert. In ihrer poetischen Textperformance Unspelling wird Andrea Maurer den Raum mit Textgebilden präparieren, Wörter und Gegenstände arrangieren, sie wird „Wörter verunsichern“ und sich wohl auch von ihnen verunsichern lassen. In einem Text zitiert Maurer den Dichter Franz Mon, der von einer „von Sprachstereotypen wetterfest imprägnierten Wirklichkeit“ spricht. Diese aufzubrechen und zu konterkarieren und der Sprache die Komplexität und Freiheit ein Stück weit zurückzuerobern, das ist den im Kontext von word auftretenden Künstler*innen gemeinsam, so unterschiedlich ihre Ästhetiken und Vorgangsweisen auch sind.

Unter dem Titel Words Don’t Come Easy lädt das Tanzquartier abschließend zu einer vertiefenden Diskussion ein. Den Einführungsvortrag zum Thema Contemporary Dance Between Body and Language hält die slowenische Theaterkritikerin Alja Lobnik. Im Anschluss werden die Choreografinnen gemeinsam mit Gästen und den TQW Theoriekurator*innen Thomas Edlinger, Janez Janša und Janine Jembere darüber diskutieren, was (im Moment) in unserem Genre mit welchen Mitteln zur Sprache drängt und warum.

 
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