Material Worlds. Paint & Plaster, Dots & Tapes, Ropes & Chains

Schwerpunkt
David Wampach, ENDO © Martin Colombet 
Schwerpunkt

Seit einiger Zeit scheinen Materialien – ob fest oder flüssig, ob amorph oder gegenständlich – nicht mehr (nur) als Requisiten oder Teil des Bühnenbilds in zeitgenössischem Tanz und Performance vorzukommen, sondern ein beträchtliches Eigenleben zu entwickeln. Sie werden von vielen Choreograf*innen auf neue Weise eingesetzt, kombiniert oder gar als eigenständiger, gleichberechtigter Partner neben den Liveperformer*innen auf der Bühne gesehen. Die Materialien geraten in Bewegung und gehen – auch erotische – Beziehungen ein. Die Trennlinie zwischen Belebtem und Unbelebtem wird fließend. Von subtiler Poetik und dunklem Humor über das politische Aufladen der Formen bis hin zur wüsten Materialschlacht haben wir eine Reihe von Arbeiten eingeladen, die den intensiven zeitgenössischen Interaktionen zwischen Mensch und Material auf der Bühne gewidmet sind.

Der französische Choreograf David Wampach setzt sich in ENDO mit verschiedenen Traditionen der Performance Art auseinander – sei es Yves Klein oder die japanische Gutai Art Association – und lässt dabei zwei Körper und viele Liter Farbe aneinandergeraten. Lisa Hinterreithners Erstaufführung and and kombiniert mithilfe von Textfragmenten höchst brisante politische Fragestellungen rund um Identität, Nationalismus und vermeintliche Opfer mit einer reduzierten Komposition aus Bewegung und Materialhandhabung. In Blab der finnischen Choreografin Sonja Jokiniemi gehen drei Tänzer*innen intensive Beziehungen mit Stoffen, Seilen und Ketten ein, bilden temporäre Skulpturen und verhandeln auch erotisches Begehren. In Miet Warlops Mystery Magnet laufen die Dinge schließlich Amok – bis hin zur heiteren Verwüstung. Den Abschluss des Schwerpunkts bildet Origins, die neue Arbeit des Choreografen Oleg Soulimenko. Sie erfasst mikroskopische Zusammenhänge und seziert abstrakte, alltägliche, aber auch funktionale Objekte bis hin zu der ihnen inhärenten Klangstruktur. Ergänzt wird der Schwerpunkt durch Martina Ruhsams Vortrag Moving Matter(s), der sich der lebhaften Debatte über (teil-)autonome Objekte und den Verschränkungen von menschlichen und nichtmenschlichen Akteur*innen widmet.

 
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