Theorie

Das Vortrags- und Symposienprogramm wird von Thomas Edlinger, Janez Janša und Janine Jembere gestaltet.

Die drei Theoriekurator*innen bringen verschiedene Perspektiven ein – neben einem choreografisch-analytischen Ansatz wird auch einem gesellschaftskritisch-popkulturellen und postkolonial-feministischen Blickwinkel Rechnung getragen. Das Theorieprogramm ist zum einen thematisch mit dem TQW Programm verknüpft, zum anderen behandelt es unabhängig davon essenzielle Fragen von Choreografie und Performance oder auch ganz allgemein wichtige Problemstellungen unserer Zeit.

Thomas Edlinger, geboren 1967 in Wien, ist Radiomacher, freier Kulturjournalist, Kurator und Buchautor. Seit 1995 ist Edlinger gemeinsam mit Fritz Ostermayer Gestalter und Moderator der FM4-Sendung Im Sumpf. Von 2002 bis 2004 war er Kurator im O.K. Centrum für Gegenwartskunst in Linz, von 2004 bis 2006 Kurator im LENTOS Kunstmuseum Linz. 2015 veröffentlichte er den Essay Der wunde Punkt. Vom Unbehagen an der Kritik. Seit 2017 ist er Künstlerischer Leiter des donaufestival in Krems. Edlinger lehrt im Fachbereich Kunst- und Wissenstransfer an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Janez Janša, geboren 1964 als Emil Hrvatin, ist ein slowenischer Performancekünstler und -theoretiker. Von 1999 bis 2006 war er Herausgeber und Chefredakteur von Maska, einem zweisprachigen (Englisch/Slowenisch) Magazin für performative Künste, sowie Direktor des gleichnamigen Instituts für Publikation, Produktion und Bildung. Seit Beginn der 1990er- Jahre tritt er mit zahlreichen performativen und installativen Projekten sowie mit Vorträgen international in Erscheinung.

Janine Jembere ist Künstlerin und derzeit Kandidatin des PhD in Practice-Programms an der Akademie der bildenden Künste Wien. Außerdem arbeitet sie in einem internationalen Forschungsprojekt zum Thema „Land und Enteignung“. Ihr künstlerisches Werk umfasst Video- und Soundarbeiten, Performances und Installationen und beschäftigt sich mit Resonanzen von körperlichem Wissen, sinnlichen Hierarchien, Ableism, Race und Gender. Janine Jembere war Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude, des Berliner Senats, des Fleetstreet Theaters Hamburg u. a. Ihre Arbeiten wurden in Europa und darüber hinaus gezeigt.

Labore

Das regelmäßig in den TQW Studios stattfindende Laborprogramm ist der Forschung und dem Austausch zwischen lokalen und internationalen Künstler*innen und Expert*innen gewidmet. Befreit vom üblichen Produktions- und Präsentationsdruck gehen die Teilnehmer*innen hier allgemein brennenden, spezifischen oder gar gänzlich ungewöhnlichen Fragen zeitgenössischer Choreografie und Performance nach. Die jeweiligen Themen stehen – im Sinne einer Vertiefung – teilweise in Relation zum aktuellen Programm des Tanzquartier Wien. Sie bieten aber auch, ganz unabhängig vom Spielplan, die Möglichkeit, auf drängende Fragen unserer Zeit einzugehen. Kuratiert und geleitet werden die Labore von Expert*innen oder Künstler*innen. Ob am Ende eines Labors eine öffentliche Präsentation steht und welche Form diese annimmt, steht den Teilnehmer*innen offen.

Imagining otherwise –  Erfindung der Gegenwart (Research-Reihe)

„I turn to the black hole of the theatre as a space […] to negotiate the past in order to make another future possible.“ – Ligia Lewis

Über Generationen hinweg haben Performancekünstler*innen daran gearbeitet, mit verschiedensten Mitteln gesellschaftliche Zustände und Strömungen zu vergegenwärtigen und Utopien, aber auch Dystopien zu entwerfen. Immer im Wissen darum, dass auf der Bühne Gegenwart nicht nur gespiegelt, sondern auch geprägt wird.

Die Research-Reihe Imagining otherwise – Erfindung der Gegenwart wirft einen kritischen Blick auf zeitgenössische wie auch historische künstlerische Strategien für die Erfindung und Veränderung der Gegenwart. Die Reihe schafft Platz für Forschung durch und mit Choreografie und Performance, die sich in politische Debatten einmischt und zur Überwindung gesellschaftlicher Ungleichheiten beitragen will, statt diese zu reproduzieren. Hier begegnen sich unterschiedliche Ansätze, die transformative Strategien entwickeln und erproben, inspiriert und beeinflusst von aktuellen Diskursen um Antirassismus und Postkolonialismus.

Im November erforscht Tonica Hunter in einem Labor Ästhetiken des Widerstands, um alternative Räume und Gemeinschaft durch Kunst zu schaffen. Ausgehend von ihrer Arbeit Make Banana Cry erarbeiten Andrew Tay und Stephen Thompson im Januar performative Strategien, um Machtdynamiken in der Kunstwelt zu unterwandern. Im März werden in einer Zusammenarbeit mit dem Centre National de la Danse in Paris und der Abteilung Musik- und Tanzwissenschaft der Universität Salzburg in einem Labor über bzw. anhand der künstlerischen Biografie der Choreografin Nyota Inyoka post- und dekoloniale Auseinandersetzungen theoretisch und praktisch vorangetrieben. Zuletzt forscht Ligia Lewis im April ausgehend von ihrer neuen Gruppenproduktion Still Not Still zu Fragen der Repräsentation von Blackness im Theater. In allen künstlerischen Laboren arbeiten kleine Gruppen lokaler Künstler*innen, Theoretiker*innen, Aktivist*innen, Kulturarbeiter*innen u. a. für eine Woche ohne jeglichen Produktionsdruck und ergebnisoffen.

Einblicke in die Prozesse werden, wenn von den Künstler*innen gewünscht, danach in unterschiedlicher Form ermöglicht (als Text- oder Videodokument oder als Liveevent).

 

TQW Magazin

Im neuen TQW Magazin wird jede im TQW gezeigte Produktion besprochen. Damit wird eine neue Form der Auseinandersetzung mit den Aufführungen gefördert. Diese Reflexion ist ein Service sowohl für die Künstler*innen, als auch für das Publikum – und nicht zuletzt auch ein Fokus auf die Praxis des Schreibens über Tanz und Performance selbst. Die gesammelten Texte werden laufend hier im Newsblog und zusätzlich einmal im Jahr in gedruckter Form veröffentlicht. Die Printversion ist kostenlos und liegt in den TQW Studios zur freien Entnahme auf.

 

TQW Magazin Beiträge

Bibliothek

Die Präsenzbibliothek in den TQW Studios umfasst eine in Wien einzigartige Sammlung, die auf zeitgenössischen Tanz und Performance spezialisiert ist. Herzstück ist der gut sortierte Bücherbestand, der über 2.600 Titel und 2.100 Zeitschriften umfasst.

Im Foyerbereich findet man neben allgemeiner Literatur und Sammelbänden zu den Themen Tanz, Performance, Kunst und Theorie u. a. auch fachspezifische Werke, etwa aus den Bereichen Gendertheorie oder Philosophie. Im ersten Stock unter dem Dach befindet sich ein gemütlicher, frei zugänglicher Raum zum Lesen, Forschen und Schmökern.

Ein Computerarbeitsplatz bietet die Möglichkeit, das komplette digitalisierte Archiv aus Performancemitschnitten, Vorträgen und Laboren, die seit der Eröffnung 2001 am Haus gezeigt wurden, einzusehen. Hier lädt zudem eine regelmäßig aktualisierte Auswahl von Literatur und Videos mit Programmbezug – sei es ein inhaltlicher Schwerpunkt, eine Company oder auch ein brandaktuelles Thema – ein, nachzulesen oder vorzuschauen.

Im Ausstellungsbereich wird ein monatlich wechselndes Programm aus den Beständen des Archivs präsentiert, das mit dem Bühnengeschehen kommuniziert.

Die Bibliothek ist gegen Voranmeldung geöffnet: tanzquartier@tqw.at

Online-Mediathek

Nach fünfjähriger Digitalisierung und Katalogisierung sämtlicher Aufzeichnungen am Tanzquartier Wien seit seiner Gründung veröffentlichte das TQW 2015 die Online-Mediathek.

Die Videos sind als Stream (nicht als Download) verfügbar, manche aber aus urheberrechtlichen Gründen nur auf Anfrage per Log-in.

mediathek.tqw.at

Tanzquartier Wien Online Archiv

Das Onlinearchiv beinhaltet derzeit ca. 300 Mitschnitte von Performances, Vorträgen, Lecture-Performances, Künstler*innengesprächen sowie Research-Formaten.

Der Bestand wird laufend erweitert, wobei das vollständige Archiv nach wie vor in der Bibliothek des TQW eingesehen werden kann.

Open Space Austria

Der Open Space Austria ist ein durch die österreichischen Tanz- und Performancekünstler*innen selbst definierter Bereich der Online-Mediathek, in den diese ihre eigenen Mitschnitte von ihren künstlerischen Arbeiten hochladen können.

Diese Plattform soll die internationale Sichtbarkeit der hier ansässigen Szene sowie tanzwissenschaftliches Arbeiten außerhalb Wiens fördern.

 
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